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E-Mobilität: BEÖ über Ladeinfrastruktur und Zukunft der Energieversorgung

Andreas Reinhardt

Österreichs E‑Mobilität wächst rasant – doch damit steigt auch der Bedarf an verlässlicher Ladeinfrastruktur. Im Interview erklärt BEÖ‑Vorstand Andreas Reinhardt, warum Genehmigungsfreiheit Ladepunkte beschleunigt, welche Hürden beim Netzausbau bleiben und welche Lösungen es für Wohnbau, LKW‑Ladehubs sowie Smart Charging und bidirektionales Laden braucht. Ein Blick auf die Zukunft der E‑Mobilität in Österreich.

Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklungen der E-Mobilität in Österreich aus und welche Rolle spielt der BEÖ dabei, die Alltagstauglichkeit weiter zu erhöhen?
ANDREAS REINHARDT: Die E-Mobilität entwickelt sich in Österreich sehr positiv. Förderprogramme und der starke Ausbau der Ladeinfrastruktur zeigen Wirkung. Für die Menschen wird das Laden einfacher und verlässlicher. Der BEÖ trägt dazu bei, indem wir den flächendeckenden Ausbau vorantreiben, auf hohe Qualität achten und E-Mobilität als selbstverständlichen Teil des Alltags etablieren.

Beschleunigter Ausbau der Infrastruktur

Das Fünf-Punkte-Programm des BEÖ fordert einen beschleunigten Ausbau der Ladeinfrastruktur. Wo sehen Sie dabei die größten Hürden?
ANDREAS REINHARDT: Die Technik ist da, die Nachfrage auch. Die größten Hürden liegen noch in Genehmigungen, langen Verfahren und beim Netzanschluss. Besonders Schnellladeprojekte brauchen Planungssicherheit. Unser Ziel ist es, bürokratische Hürden abzubauen und klare Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Ladeinfrastruktur schneller dort entsteht, wo sie gebraucht wird.

Dass E-Ladestationen nun genehmigungsfrei werden, werten Sie wohl als positiven Schritt, oder?
ANDREAS REINHARDT: Absolut. Die Genehmigungsfreiheit ist ein wichtiger Schritt, um den Ausbau zu beschleunigen. Sie reduziert Aufwand, Kosten und Unsicherheit. Gerade im Wohnbau und im ländlichen Raum können Ladepunkte nun deutlich schneller umgesetzt werden.

Eine gute Ausgangsbasis ist vorhanden

Österreich verfügt aktuell über rund 34.000 öffentliche Ladepunkte. Reicht das für die prognostizierte Zahl an E-Fahrzeugen bis 2030?
ANDREAS REINHARDT: Das ist eine sehr gute Ausgangsbasis. Mit steigenden Fahrzeugzahlen muss aber auch das Ladeangebot mitwachsen. Als BEÖ verfolgen wir eine gesamtheitliche Sicht. Ladeinfrastruktur muss flächendeckend vorhanden sein und dort, wo Fahrzeuge ohnehin Stehzeiten habe. Andererseits sind Schnellader für PKW und LKW an den Hauptverkehrsrouten notwendig. Hier sehen wir großen Investitionsbedarf.

Welche Lösungen schlägt der BEÖ vor, um im Wohnbau die EU-Gebäuderichtlinie einheitlich und praxistauglich umzusetzen?
ANDREAS REINHARDT: Wir brauchen klare und einheitliche Regeln für ganz Österreich. Wichtig sind dabei Vorverkabelung bei Neubauten, gemeinschaftliche Ladelösungen und einfaches Lastmanagement. Ziel ist, dass Laden zu Hause ohne komplizierte Einzellösungen möglich wird, für Eigentümer wie für Mieter.

Ladehubs für Lastkraftwagen vonnöten

Welche Maßnahmen sind notwendig, um LKW-Ladehubs flächendeckend zu realisieren?
ANDREAS REINHARDT: Für E-LKW braucht es leistungsstarke Ladehubs an Autobahnen und Logistikknoten. Dieser Ausbau ist anspruchsvoll und braucht daher Förderungen, starke Netzanschlüsse und eine enge Abstimmung mit Infrastrukturbetreibern. Bestehende Projekte entlang der Hauptverkehrsachsen zeigen, dass der Hochlauf machbar ist, wenn Planung, Finanzierung und Umsetzung gut zusammenspielen.

Smart Charging und bidirektionales Laden: Welche Chancen sehen Sie für Netzstabilität und Energiespeicher?
ANDREAS REINHARDT: Intelligentes Laden hilft, das Stromnetz zu entlasten und Lastspitzen zu vermeiden.Voraussetzung sind passende gesetzliche Rahmenbedingungen und marktfähige Modelle für Nutzer. Das kürzlich beschlossene EIWG ist auch für die E-Mobilität sehr positiv: Es schafft die Grundlage für dynamische Stromtarife, mit denen Fahrzeuge zu günstigen Zeiten geladen werden können, den rechtlichen Rahmen für bidirektionales Laden und die Nutzung von E-Autos als flexible Energiespeicher.

Steuervorteile und Planungssicherheit

Welche Schritte sind erforderlich, um Unternehmen zur Umstellung ihrer Flotten zu motivieren?
ANDREAS REINHARDT: Ich sehe hier zwei zentrale Hebel: Steuerliche Vorteile und Planungssicherheit. Eine Aufweichung des langfristig vereinbarten Verbrenner-Aus ist eindeutig kontraproduktiv. Darüber hinaus sind Förderungen für Ladeinfrastruktur am Firmenstandort, einfache Abwicklung und attraktive Stromtarife entscheidend. Wenn Laden im Betrieb zuverlässig funktioniert und wirtschaftlich sinnvoll ist, steigt die Bereitschaft der Unternehmen, ihre Flotten auf E-Mobilität umzustellen.

Der BEÖ ist der zentrale Interessenvertreter für Elektromobilität in Österreich und wurde 2015 von elf regionalen und kommunalen Energieversorgern gegründet. Sein Ziel: den flächendeckenden Ausbau einer verlässlichen, interoperablen Ladeinfrastruktur vorantreiben und E‑Mobilität alltagstauglich machen. Zu den Mitgliedern zählen beispielsweise die Energie AG Oberösterreich, Burgenland Energie, die Salzburg AG, KELAG oder die Wien Energie.

Fotos: BEÖ

Zur Person: Andreas Reinhardt ist Vorsitzender des Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ); Leiter des Bereichs Energiedienstleistungen bei der Linz AG. Reinhardt studierte Elektrotechnik an der TU Graz und war bei der Linz AG maßgeblich für den Netzausbau und für den flächendeckenden Smart Meter Ausbau des Unternehmens zuständig.

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