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China verschärft Energiegrenzen für Elektroautos: Das bedeutet der neue Standard ab 2026

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Seit 1. Jänner 2026 gilt in China ein verbindlicher nationaler Standard mit Obergrenzen für den Energieverbrauch neu produzierter, rein elektrischer Pkw. Die Grenzwerte sind nach Fahrzeuggewicht gestaffelt. Beispielsweise 15,1 kWh (Kilowattstunden) je hundert Kilometer für Modelle um die zwei Tonnen Leergewicht, gemessen im CLTC‑Zyklus. Diese Grenzwerte und ersetzen frühere, nur empfohlene Richtwerte. Damit sind sie rechtlich bindend und zudem mit steuerlichen Vergünstigungen verknüpft.

Energy Consumption Limits for Electric Vehicles

Der genaue Beschluss trägt den Standardtitel „Energy Consumption Limits for Electric Vehicles – Part 1: Passenger Cars“. Die Limits sind um rund elf Prozent strenger als zuvor und gelten nur für BEV‑Pkw. Nur konforme Modelle bleiben kaufsteuerbegünstigt. Plug-in-Hybride und Range‑Extender fallen nicht unter die Verbrauchsdeckelung: Diese müssen andere, eigene Kriterien erfüllen.

Wichtig zur Auslegung: Die „Obergrenzen“ betreffen Hersteller beziehungsweise Modellzulassung, nicht den individuellen Stromverbrauch von Fahrern im Alltag. Es handelt sich um Effizienzgrenzwerte im Typprüfverfahren (CLTC), nicht um Nutzungsbeschränkungen oder Lade‑Limits. Wer von „Verbrauchsobergrenze“ spricht, sollte präzisieren, dass es sich um typprüfbasierte Effizienzlimits für Fahrzeugmodelle handelt – nicht um Nutzer‑ oder Ladebeschränkungen.

Gemischte Reaktionen in Österreich

Hierzulande sind die Reaktionen auf den Vorstoß gemischt. „Der ÖAMTC spricht sich gegen rechtliche Verbrauchsobergrenzen für Elektroautos aus. Statt zusätzlicher Regulierung setzen wir auf mündige Konsumenten, da ein niedriger Stromverbrauch automatisch auch geringere Betriebskosten nach sich zieht. Zusätzliche Auflagen für die Hersteller von E-Fahrzeugen erhöhen deren Anschaffungskosten und mindern so die Attraktivität der Elektromobilität und hemmen die Mobilitätswende eher als diese zu unterstützen“, so ÖAMTC-Verkehrswirtschafts-Experte Martin Grasslober auf Anfrage.

Anders beurteilt VCÖ-Experte Michael Schwendinger die Sachlage. „Während die EU noch immer am Verbrennungsmotor festhalten will, führt China Energieverbrauchskriterien für Elektro-Fahrzeuge ein. Damit wird ein Anreiz für effizientere Motoren gesetzt, der Chinas Vorsprung bei Elektro-Fahrzeugen weiter festigen dürfte. Da erneuerbare Energie nur begrenzt verfügbar ist, machen Vorgaben für den Energieverbrauch von E-Pkw über kurz oder lang auch für die EU Sinn. Statt eines zögerlichen Zick-Zack-Kurses sollte Klarheit und Verlässlichkeit geschaffen werden, dass Autos in Zukunft vor allem elektrisch fahren“, heißt es gegenüber www.autoinfos.at.

CLTC-Zyklus im Vergleich zu WLTP-Zyklus

Seitens der heimischen Automobilimporteure gab es keine offizielle Stellungnahme; das Thema ist in Europa derzeit jedenfalls in rechtlichem Sinne nicht von Belang; mit einem solchen Vorstoß würde man die zarte Pflanze der E-Mobilität wieder abwürgen, heißt es.

Der CLTC‑Zyklus ist Chinas Prüfverfahren zur Ermittlung von Verbrauch und Reichweite und orientiert sich stark an städtischen Fahrprofilen mit niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten, viel Stop‑and‑Go und höherem Leerlaufanteil. Dadurch fallen die Verbrauchswerte günstiger und die Reichweiten höher aus. Das beispielsweise auch in Österreich gültige WLTP‑Verfahren dagegen umfasst höhere Geschwindigkeiten, dynamischere Beschleunigungen und eine längere Teststrecke, was zu realitätsnäheren und meist niedrigeren Reichweiten führt. WLTP steht für Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure.

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