Der chinesische Autokonzern BYD hat sich in wenigen Jahren vom Newcomer zur relevanten Volumensmarke in Österreich entwickelt – angetrieben von starken BEV‑ und PHEV‑Modellen, einem rasch wachsenden Händlernetz und konsequenter Kundennähe. Mit mittlerweile elf Modellen, beeindruckenden Verkaufszahlen und klaren Wachstumszielen will BYD im Jahr 2026 den Sprung in fünfstellige Neuzulassungen schaffen. Neue Technologien wie Flash Charging und die europäische Produktion sollen diese Entwicklung weiter beschleunigen, sagt Geschäftsführer Danijel Dzihic im Gespräch mit autoinfos.at.
BYD ist weltweit zur Nummer eins bei Elektro-Neuzulassungen aufgestiegen und auch in Österreich in kurzer Zeit zur relevanten Volumensmarke aufgestiegen. Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren?
DANIJEL DZIHIC: BYD ist schon seit Jahren der größte und erfolgreichste Hersteller von NEV-Fahrzeugen, also New-Energy-Vehicles, also ausschließlich Plug-in-Hybride und E-Autos. Weltweit hat BYD 2025 Tesla außerdem als Nummer eins beim BEV-Absatz auf Platz zwei verdrängt. In Österreich haben wir das vergangene Jahr als unser zweites Volljahr als Nummer fünf bei den E-Autos und als Nummer 15 am Gesamtmarkt abgeschlossen. Zentrale Erfolgselemente unseres raschen Wachstums stecken vor allem in der Nähe zum Kunden, also einerseits geografisch wie auch im Sinne von Kommunikation auf Augenhöhe. Wir haben mehr als 200 Bewerbungen von Händlern erhalten, daraus die besten ausgewählt und dabei vor allem auf etablierte Familienbetriebe gesetzt, die regional ein starkes Standing bei der Bevölkerung haben. 2026 wird das Händlernetz auf über 50 Standorte wachsen, dann erreicht man überall in Österreich in weniger als 30 Minuten einen Händler. Dazu kommt natürlich das Produkt. Mit elf Modellen sind wir quasi ein Vollsortimentsanbieter geworden und können für den Großteil der Österreicher, das leistbare Fahrzeug mit Top-Ausstattung und Top-Technologie anbieten.
Viele Modelle von BYD performen gut
Ihr Modellportfolio reicht vom kompakten Dolphin Surf bis zum SUV Tang und Plug-in-Hybriden wie dem Seal 6 DM-i Touring. Welche Modelle sind hierzulande strategisch besonders wichtig?
DANIJEL DZIHIC: Bestseller waren 2025 im BEV-Bereich der Sealion 7, unsere Eierlegende-Wollmilchsau, sowie der Seal U EV, Dolphin Surf und Seal. Bei den Plug-in-Hybriden war der Seal U DM-i der absolute Bestseller – aber auch der Seal 6 DM-i Touring, unser Familienkombi, hat sich seit Marktstart sehr positiv entwickelt.
Wie war das Jahr 2025 aus BYD-Sicht – sowohl in Bezug auf Verkaufszahlen als auch in Bezug auf Positionierung, öffentliche Wahrnehmung und Händlernetz?
DANIJEL DZIHIC: Wir sind mit 2025 in allen genannten Punkten sehr zufrieden. Weil: Mit knapp 7.000 Pkw-Neuzulassungen sind wir 2025 definitiv als Marke in Österreich angekommen. Und mit derzeit 43 Händler- und Werkstättenstandorten sind wir auch schon sehr gut aufgestellt. Was uns jedoch äußerst positiv überrascht hat, war der Erfolg des Seal U DM-i, der 2025 der meistverkaufte Plug-in-Hybrid-Pkw in ganz Österreich war. Aber Fakt ist aber auch: Wir haben in drei Jahren am Markt eine breite Bekanntheit erlangt und unser Image als Marke mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis verfestigt, aber noch lange ist nicht jeder Österreicher in einem BYD gesessen. Der direkte Produktkontakt, also die Probefahrt, wird nach wie vor der Gamechanger in der Wahrnehmung der Marke bleiben.
Neuzugänge sowohl bei BEV als auch bei PHEV
Wie ist das Jahr 2026 angelaufen und welche konkreten Ziele – auch in Zahlen – gibt es, beispielsweise in Bezug auf Marktanteil, Standorte und verkaufte Autos?
DANIJEL DZIHIC: Die ersten Wochen im Jahr 2026 sind bisher stark gewesen, darauf können wir aufbauen. 2026 wird das BYD-Modellportfolio in Österreich weiter ausgebaut beziehungsweise ein paar Modelle erhalten ein wichtiges Facelift. Wichtig: Sowohl auf BEV- wie auf PHEV-Seite tut sich einiges. Sagen wir es diplomatisch: Da kommt Interessantes auf uns zu. Wir wollen heuer den Sprung in die fünfstelligen Neuzulassungen schaffen und uns endgültig als Volumensmarke am Markt etablieren – auch weil BYD ab dem zweiten Quartal in Ungarn produzieren und dabei Stahl aus Linz von der voestalpine zum Einsatz kommen wird. Parallel dazu suchen wir ja bereits aktiv nach mehr als hundert Standorten in Österreich für das BYD-eigene Flash Charging Netzwerk, welches das Laden von E-Autos revolutionieren wird. Mit tausend Kilowatt Ladepower lädt man in fünf Minuten 400 Kilometer Reichweite nach – oder anders ausgedrückt: Laden dauert dann so lange wie Tanken. Ebenfalls parallel wird das V2H-Pilotprojekt ausgerollt, hier erwarten wir auch uns positive Impulse. Wir suchen wirklich breit, weil das System dank 400 Kilowattstunden großem Pufferspeicher nur 100 Kilowatt Anschlussleistung benötigt. Vom Autohaus, Parkplatz, Energieversorger, Tankstellen- oder Ladeparkbetreiber, Supermarktketten, etc. können sich also alle gerne bei uns melden.
Marke mit Schlüsselrolle in Österreich
Wo sehen Sie BYD Österreich in fünf Jahren – in Bezug auf Marktanteil, Modellvielfalt und Nachhaltigkeit?
DANIJEL DZIHIC: Als Marke mit einer Schlüsselrolle am österreichischen Markt, sprich als Marke mit starken europäischen Wurzeln und breitaufgestellten lokalen Partnerschaften mit österreichischen beziehungsweise europäischen Industrieplayern.
Die Elektromobilität in Österreich wächst stark, gleichzeitig gibt es Herausforderungen wie Ladeinfrastruktur und Akzeptanz im Privatmarkt. Wie begegnet BYD diesen Themen?
DANIJEL DZIHIC: Die Zahlen der Statistik Austria zum Jahr 2025 weisen einen starken Anstieg bei privaten BEV-Käufern aus, auch in den E-Auto-Gebrauchtwagenmarkt kam entgegengesetzt zur öffentlichen Wahrnehmung und Darstellung vergangenes Jahr viel Bewegung rein. BYD hat in Österreich bei den Privatkunden im Übrigen von Beginn an reüssiert, wir haben derzeit einen Anteil von über 60 Prozent und sind damit die Nummer 2 am Markt, während die großen Marken teilweise die BEV-Modelle an über 80 Prozent gewerbliche Kunden ausliefert. Die Ladethematik ist in meinen Augen weniger ein Problem in Sachen Ladepunktanzahl, sondern in Sachen Preistransparenz und Kundenerlebnis. Hier können die Anbieter definitiv noch nachbessern beziehungsweise sich gleich für die Flash Charging Technologie bewerben, die ja ohnehin die Zukunft des Ultraschnellladens darstellen wird.
Markt-Kommitment und keine Zoll-Umgehung
Welche Bedeutung für Österreich wird die BYD-Fahrzeugproduktion im Jahr 2026 in Ungarn haben?
DANIJEL DZIHIC: Unsere Modelle erfüllen heute schon so gut wie alle europäischen Kundenbedürfnisse und mit durchgehend 5-Sterne NCAP-Bewertungen auch alle Sicherheitsstandards – auch wenn sie derzeit noch in China oder Thailand gefertigt werden. Mit dem Hochlauf der Produktion in Szeged, der Gründung des Forschungs- und Entwicklungszentrums in Budapest sowie der Etablierung eines europäischen Designstudios werden wir aber noch näher an den Markt heranrücken und noch schneller reagieren können. BYD lebt also ein echtes Markt-Kommittent und umgeht hier nicht bloß Zölle – ganz abgesehen davon, dass der Werkbau in Ungarn lange vor der leidigen Zolldiskussion bereits beschlossen und kommuniziert wurde.
Fotos: BYD
| Zur Person: Danijel Dzihic ist seit September 2022 Geschäftsführer von BYD Österreich. Zuvor war er mehr als 20 Jahre in der Automobilbranche tätig, begann seine Laufbahn als Management Trainee bei Ford in Köln und übernahm 2014 die Position des Generaldirektors von Ford Austria. Nach einer Tätigkeit in der Ford‑Europa‑Zentrale kehrte er nach Österreich zurück und leitet heute den Markenausbau des chinesischen Herstellers. |




