Im Alltag legen viele Menschen Wert darauf, Wege möglichst effizient und komfortabel zu gestalten. Dazu gehört häufig auch der Konsum von Getränken oder Snacks unterwegs – etwa ein Coffee-to-go, ein kleiner Imbiss oder ein Eis an warmen Tagen. Während dies für Fußgänger in der Regel unproblematisch ist, kann es im Straßenverkehr mit erheblichen Risiken verbunden sein.
Einhändiges Fahren beeinträchtigt Sicherheit
Insbesondere beim Lenken eines Fahrzeugs – unabhängig davon, ob es sich um ein Auto, Fahrrad oder einen E‑Scooter handelt – kann bereits das einhändige Fahren die Sicherheit deutlich beeinträchtigen. „Das Essen oder Trinken während der Fahrt wirkt zunächst harmlos, führt jedoch zu Ablenkung und verringert die Reaktionsfähigkeit“, erklärt Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin beim ÖAMTC. In kritischen Situationen, etwa bei plötzlichen Bremsmanövern oder Ausweichbewegungen könne die eingeschränkte Kontrolle über die Lenkung zu verzögerten oder unzureichenden Reaktionen führen.
Bestandteil des modernen Lebensstils
Trotz dieser Risiken hat sich der Verzehr von Speisen und Getränken während der Fortbewegung in vielen Bereichen etabliert und gilt häufig als Bestandteil eines modernen, mobilen Lebensstils. Aus verkehrspsychologischer Sicht ist diese Entwicklung jedoch problematisch. Seidenberger empfiehlt daher, bewusst Pausen einzuplanen und den Konsum auf Zeiten im Stillstand zu verlagern, um die eigene Aufmerksamkeit vollständig dem Verkehrsgeschehen widmen zu können.
Studie des ÖAMTC aus dem Jahr 2020
Wie stark sich Ablenkung konkret auf das Fahrverhalten auswirkt, zeigt eine Studie des ÖAMTC aus dem Jahr 2020 im Fahrtechnik Zentrum Teesdorf. Dabei führten 45 Probanden während der Fahrt zusätzliche Tätigkeiten aus, etwa das Trinken aus einer Flasche oder das Bedienen eines mobilen Geräts, und sollten gleichzeitig die Verkehrsregeln einhalten. Die Ergebnisse zeigen deutliche Einschränkungen: Sicherheitsrelevante Verhaltensweisen wie Schulterblicke, korrektes Abbiegen oder rechtzeitiges Anhalten wurden häufiger vernachlässigt. Zudem war die Bremsleistung reduziert, und die Fahrweise insgesamt weniger stabil.
Diskrepanz zwischen Verhalten und Wahrnehmung
Auffällig ist dabei auch die Diskrepanz zwischen tatsächlichem Verhalten und subjektiver Wahrnehmung. Viele Teilnehmende schätzten ihre Fahrleistung trotz Ablenkung als ausreichend sicher ein. Fachleute sehen darin ein Hinweis auf ein unzureichend ausgeprägtes Risikobewusstsein. Ablenkungen verlängern die Reaktionszeit, verändern die Fahrdynamik und erhöhen den benötigten Verkehrsraum, wodurch Situationen für andere Verkehrsteilnehmende schwerer vorhersehbar werden.
Die Unfallstatistik lügt nicht
Die Relevanz des Themas spiegelt sich auch in der Unfallstatistik wider: Unachtsamkeit und Ablenkung zählen weiterhin zu den häufigsten Ursachen von Verkehrsunfällen. Im Jahr 2025 wurden in Österreich 12.882 Unfälle darauf zurückgeführt, was einem Anteil von 34,1 Prozent an den Hauptunfallursachen entspricht. Insgesamt verdeutlichen diese Zahlen die Bedeutung einer möglichst ungeteilten Aufmerksamkeit im Straßenverkehr.
Foto: Wilhelm Bauer/ÖAMTC



