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smart #1 Brabus im Test: So fährt der 428 PS starke E-Bolide

smart #1 Brabus

Der smart #1 Brabus ist ein Auto, das mit Erwartungen spielt. Der Name smart weckt bei vielen noch immer Erinnerungen an den winzigen Zweisitzer für die Stadt. Der #1 Brabus dagegen ist ein 4,30 Meter langes Elektro-SUV mit Allradantrieb, 315 kW (428 PS) Systemleistung, 543 Newtonmeter Drehmoment und einem Sprintwert von 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Damit ist er ein Auto, das in seiner Klasse eher in Richtung Kompakt-Sportler als City-Flitzer zielt.

Design und Maße: Auffällig zurückhaltend

Das Design des Brabus kombiniert die rundlich-verspielte Grundform des Modells mit dezenten sportlichen Akzenten. Auffällige Karosserieumbauten bleiben aus; stattdessen setzen Details wie rote Zierelemente, eigenständige Felgendesigns und modifizierte Stoßfänger gezielte Kontraste. Insgesamt wirkt der Auftritt eher geschärft als radikal verändert und bleibt damit bewusst anschlussfähig an den zivilen #1.

Schon optisch macht der Top-smart also prinzipiell klar, dass er mehr sein will als ein schickes Lifestyle-Elektroauto. Brabus-spezifische Akzente, 19-Zoll-Räder, rote Details und eine sportlicher gezeichnete Front sorgen für mehr Schärfe, ohne ins Prollige abzurutschen. Das passt gut zum Charakter des Fahrzeugs: Der #1 will auffallen, aber nicht um jeden Preis. Im Innenraum zeigt sich ein ähnliches Bild. Das Layout ist modern und aufgeräumt, geprägt von klaren Linien und einer digitalen Bedienlandschaft. Materialien und Verarbeitung kann man als hochwertig beschreiben, ergänzt durch sportliche Details wie Mikrofaserbezüge oder farbige Kontrastnähte. Gleichzeitig gibt es auch weniger edle Kunststoffflächen, die den Premiumanspruch des Herstellers etwas relativieren.

Materialmix und Ausstattung

Die Materialanmutung ist demnach ordentlich bis hochwertig, dazu kommen reichlich Ausstattung, ein großes Zentraldisplay und sportliche Details wie Alcantara-Anklänge, rote Ziernähte oder Brabus-spezifische Akzente. Gleichzeitig gilt aber auch: Manche Flächen wirken glatter und einfacher, als es der Preis dieser Topversion erwarten lässt, und die Bedienung über den Touchscreen ist nicht immer so intuitiv, wie sie sein sollte. Selbiges gilt leider auch für die Sprachsteuerung.

Infotainment: Digital ist Trumpf

Das Infotainment basiert auf einem großen zentralen Touchscreen, ergänzt durch ein digitales Kombiinstrument. Die Darstellung ist hochauflösend und funktional, allerdings ist die verschachtelte Menüstruktur und die starke Abhängigkeit von der Touch-Bedienung suboptimal. Auch verspielte Elemente wie animierte Darstellungen im System tragen zwar zur Eigenständigkeit bei, lenken aber teilweise von der Bedienlogik ab.

Leistung und Antrieb: 428 PS

Seine größte Stärke ist ohne Zweifel der Antrieb. Der permanenterregte Synchronmotor liefert eine Wucht, die im Alltag fast überzogen wirkt. Ampelstarts gelingen mit einer Vehemenz, die selbst deutlich teureren Fahrzeugen gut zu Gesicht stünde. Der Durchzug ist spontan, die Leistungsentfaltung typisch elektrisch und praktisch verzögerungsfrei. Genau darin liegt der Reiz des Wagens: Er fühlt sich auf kurzen Zwischenspurts und beim Herausbeschleunigen aus Kurven mühelos schnell an. Dieses unmittelbare, fast schon überfallartige Temperament steht dem kompakten Fünfsitzer gut zu Gesicht.

Gewicht und Handling

Doch aus dem brachialen Antritt folgt nicht automatisch ein rundum überzeugender Sportler. Denn fahrdynamisch bleibt der smart #1 Brabus in einer Zwischenwelt. Er ist schnell – sehr schnell sogar –, aber das macht ihn noch nicht zu einem echten Elektro-Hot-Hatch. Und das liegt nicht daran, dass er bei 180 km/h abgeregelt ist. Kritisiert werden muss vor allem eine Lenkung, die nicht besonders kommunikativ wirkt, sowie ein Fahrwerk, das zwar angepasst wurde, den Wagen aber nicht in einen präzisen Kurvenkünstler verwandelt. Auf schlechter Straße wirkt der Power-Stromer mitunter etwas nervös , während das hohe Gewicht von rund 1,9 Tonnen physikalisch stets präsent bleibt. Unterm Strich fährt er sich souverän und kräftig, aber weniger messerscharf, als es das Brabus-Logo vermuten lässt.

Innenraum und Gepäckabteil: Überraschend geräumig

Im Alltag punktet der smart mit seinem gelungenen Raumkonzept. Der Radstand von 2,75 Metern schafft für das kompakte Außenmaß ein überraschend luftiges Platzgefühl, vor allem in der zweiten Reihe. Er verfügt daher über eine ordentliche Bein- und Kopffreiheit für vier Erwachsene. Weniger großzügig fällt der Kofferraum aus: 313 Liter sind für ein Familienauto dieser Preisklasse eher knapp. Immerhin lassen sich die Rücksitze umklappen, womit bis zu 976 Liter möglich sind; dazu kommt ein kleiner Frunk mit 15 Litern. Wer häufig Kinderwagen, Getränkekisten oder Urlaubsgepäck transportiert, sollte diesen Punkt vor dem Kauf genau prüfen.

Laden: AC und DC durchaus überzeugend

Bei Batterie und Laden liefert der Wagen aus dem Reich der Mitte ein sehr gutes Gesamtpaket. Die nutzbare Batteriekapazität liegt bei 62 kWh (Kilowattstunden), die offizielle WLTP-Reichweite bei rund 400 Kilometern. Geladen wird mit bis zu 22 kW AC und maximal 150 kW DC; unter günstigen Bedingungen soll der Bereich von 10 auf 80 Prozent in ungefähr 30 Minuten möglich sein. Werte, die der Wagen auch in der Praxis annähernd schafft. Das klingt also gut und ist im Alltag durchaus konkurrenzfähig.

Verbrauch: Auf die Einstellung kommt es an

Dass die hohe Leistung ihren Preis hat merkt man indessen beim Verbrauch im Sportmodus: Wer die Performance regelmäßig nutzt oder viel Autobahn fährt, drückt den Verbrauch spürbar nach oben. Der Brabus ist also eher Schnelllader als Langstreckenwunder. Dann geht der Verbrauch auf 20 und mehr kWh je hundert Kilometer. Sanfte Stadt- und Überlandfahrten quittiert der Allradler mit rund 18 kWh Verbrauch und somit in Nähe des WLTP-Wertes.

Preis: Für die Ausstattung sehr ordentlich

Hinzu kommt die Preisfrage. Die Brabus-Version markiert das obere Ende der #1-Baureihe und kostet in Österreich ab 53.700 Euro. Damit bewegt sich der smart in einer Region, in der Käufer bereits Alternativen mit mehr Platz oder reifer abgestimmtem Fahrverhalten finden. Andererseits bietet kaum ein anderes kompaktes Elektro-SUV in diesem Format eine derart explosive Beschleunigung bei gleichzeitig guter Serienausstattung und eigenständigem Auftritt. Genau deshalb ist der #1 Brabus letztlich ein sehr spezielles Auto: weniger vernünftige Kaufentscheidung als emotionales Statement.

Fazit: Der smart #1 Brabus ist – ähnlich wie der #5 mit seinen zwei E-Motoren – ein elektrischer Punchball mit Premium-Ambitionen. Er begeistert mit brutaler Spontaneität, überraschend viel Innenraum und markanter Optik. Gleichzeitig zeigt er Schwächen bei Kofferraum, Effizienz unter Last und fahrdynamischer Feinarbeit. Wer vor allem einen kompakten, sehr schnellen und auffälligen Elektro-Crossover sucht, findet hier ein reizvolles Paket. Wer dagegen maximale Alltagstauglichkeit oder die Präzision eines echten Sportlers erwartet, sollte vor dem Kauf unbedingt eine längere Probefahrt machen. Und schlussendlich: Spannend macht es die Marke übrigens mit der Rückkehr des #2, der ab 2027 hierzulande durchstarten soll.

smart#1 Brabus
Preisab € 53.700,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 53.700,-
Garantie: 3 Jahre bis max. 100.000 km, 8 Jahre bis max. 200.000 km auf den Akku
Service: alle 30.000 km oder jedes Jahr
Technische DatenMotor: permanenterregter Synchronmotor, 315 kW/428 PS Spitzenleistung, 116 kW/158 PS Nenndauerleistung max. Drehmoment 543 Nm
Getriebe: Eingangautomatik
Antrieb: Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,9 s
WLTP-Verbrauch: 18,2 kWh
Testverbrauch: 18,4 kWh
EckdatenL/B/H: 4.300/1.822/1.636 mm
Radstand: 2.750 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1.900/2.370 kg
Anhängelast gebr./ungebr.: 1.600/750 kg
Kofferraum: 313-976 Liter
Frunk: 15 Liter
Akku: 66/62 kWh (brutto/netto)
Reifen: 4 x 235/45 R19 99V auf 19“-Alus
SicherheitRegelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/LKA/ACC/RCTA/TPMS
Airbags: 7