Mit dem Explorer ER AWD positioniert der US-Autobauer Ford ein Elektro‑SUV, das bewusst zwischen amerikanischem Auftritt und europäischer Alltagstauglichkeit vermittelt. Dabei nutzt er die MEB‑Plattform des VW-Konzerns, bleibt aber optisch klar ein Ford. Schon auf den ersten Blick fällt die eigenständige Front ohne klassischen Kühlergrill auf, kombiniert mit einer sanft abfallenden Dachlinie und sportlich ausgeformten Kotflügeln.
4,47 Meter lang und kantig
Die 4,47 Meter Länge lassen das Fahrzeug kompakter wirken, als es auf Fotos erscheint – tatsächlich tritt der allradgetriebene Fünftürer schmaler und weniger wuchtig auf, als die kantige Form vermuten lässt. Auf der Straße wirkt der Explorer unkompliziert und sicher, mit spontanem Antritt durch die beiden E‑Maschinen und neutralem Eigenlenkverhalten. Kritik muss sich der Explorer in Sachen Komfortabstimmung gefallen lassen.
Handling: Straff mit kleinem Wendekreis
Denn der Fünftürer hat ein straffes Set‑up mit Tendenz zum Wippen auf kurzen Wellen. Die Lenkung ist alltagstauglich direkt, der Wendekreis mit rund 11,5 Metern angenehm klein. Das hohe Fahrzeuggewicht (knapp 2,2 Tonnen) spürt man bei schlechter Fahrbahn, wird aber von der grundsätzlich sauberen Spurhaltung kaschiert.
Die nutzbare Batteriekapazität liegt bei 79 kWh (Kilowattstunden), kombiniert mit einem 400‑Volt‑System. Die maximale DC‑Ladeleistung beträgt 185 kW (Kilowatt) – ein Wert, den der Explorer in der Praxis auch erreicht; aber nicht oft. Laut Ford‑Datenblatt dauert der Sprung von zehn auf 80 Prozent etwa 26 Minuten.
In der Praxis offeriert der straff federnde Stromer ein konsistent starkes Ladeverhalten: Im Bereich zwischen zehn und 80 Prozent hält der Explorer über weite Teile hohe Leistungen und erreicht durchschnittlich über 90 kW – solide für ein Fahrzeug dieser Klasse. Ein kompletter 10‑auf‑80‑Prozess dauert etwa 35 Minuten. Die optimale Ladezone liegt dabei zwischen ungefähr 20 und 60 Prozent, in welcher der Explorer seine effizienteste Ladephase hat.
WLTP: 523 bis 566 Kilometer
Und wie sieht es mit der Reichweite aus? Nun, die variiert: Während die WLTP‑Angabe zwischen 523 und 566 Kilometer liegt, sind es in der Praxis rund 450 Kilometer; abhängig vom Fahrprofil und wie stark man das Gaspedal des Alladlers durchdrückt.Highlight im Cockpit ist SYNC Move mit 14,6‑Zoll‑Touchscreen, der sich vertikal verschieben lässt und ein verriegelbares Fach („My Private Locker“) verdeckt. Kabelloses Apple CarPlay/Android Auto, Cloud‑Navigation mit Ladesäulen‑Integration samt Batterie‑Vorwärmung und OTA‑Updates gehören dazu.
Im Alltag punktet die Oberfläche mit klarer Kachelstruktur und einer stets sichtbaren Klima‑Leiste; Streamingfunktionen sind verfügbar. Kritisch zu betrachten ist jedoch die Ablenkungsgefahr wegen der Touch‑Bedienung und die tief positionierte Klimasteuerung. Dem gegenüber stehen schnelle Reaktionen, eine verlässliche Ladeplanung und der praktische, versperrbare Stauraum hinter dem Screen.
Touchslider als Schwachpunkt
So vorbildlich das Infotainmentsystem via Touchscreen bedient werden kann, so heftig muss man auf der anderen Seite den in der Mittelkonsole platzieren Touchslider für die Lautstärkenregelung sowie die Touchfelder auf dem voluminösen Lenkrad kritisieren. Träge, schwer bedienbar und leider auch billig anmutend, trüben sie den ansonsten äußerst positiven Gesamteindruck, den die maximal fünf Passagiere vom Innenraum gewinnen können.
MegaConsole mit 17 Liter Fassungsvermögen
Vorn und hinten bietet der Explorer überdurchschnittlich viel Beinfreiheit bei kompakten Außenmaßen. Der Kofferraum liegt je nach Messmethode bei 450 bis 1.455 Litern, die gebremste Anhängelast bei bis zu 1.200 Kilogramm – beides ordentliche Werte in der Klasse. Verarbeitung und Materialanmutung kann man am besten mit dem Wort preisbewusst beschreiben; funktional glänzt die 17‑Liter‑„MegaConsole“ in der Mittelkonsole.
Preislich startet der Ford Explorer ER AWD bei 56.190 Euro. Kommen unter anderem Panoramadach, Wärmepumpe und elektrisch schwenkbare Anhängevorrichtung, steigt der Preis auf gut 62.000 Euro. Das ist wahrlich kein Schnäppchen mehr, aber die Ausstattung kann sich um den Preis sehen lassen.
Fazit: Der Ford Explorer ER AWD ist ein rundes Langstrecken‑Familienauto mit starker Performance, brauchbaren Realverbräuchen und schnell reproduzierbarer Ladeleistung an 400‑V‑HPCs. Sein Infotainment ist modern, reise‑ und alltagstauglich, erfordert aber Gewöhnung an die Touch‑Lastigkeit. Beim Fahrkomfort bleibt Luft nach oben, dafür überzeugen Platzangebot, Zuladung und Anhängelast – und natürlich hat Ford auch andere E-Autos im Angebot, wie etwa den Capri oder den Puma Gen-E.











| Ford | Explorer ER AWD 79 kWh, Blue my Mind Metallic |
| Preis | ab € 56.190,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 62.390,- unter anderem inklusive Panoramadach, Wärmepumpe und elektrisch schwenkbare Anhängevorrichtung Garantie: 2 Jahre ohne km-Begrenzung, danach weitere 3 Jahre bis maximal 100.000 km, 12 Jahre gegen Durchrostung, 8 Jahre bis max. 160.000 km auf den Akku Service: alle 30.000 km oder alle 2 Jahre |
| Technische Daten | Motor: hinten permanenterregter Synchronmotor, vorne Asynchronmaschine, 250 kW/340 PS, max. Drehmoment 545 Nm Getriebe: Eingangautomatik Antrieb: Allradantrieb Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 6,4 s WLTP-Verbrauch: 17,5 kWh Testverbrauch: 19,1 kWh |
| Eckdaten | L/B/H: 4.468/1.872/1.630 mm Radstand: 2.767 mm Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 2.162/2.740 kg Anhängelast gebr./ungebr.: 1.200/750 kg Kofferraum: 450-1.422 Liter Akku: 82/79 kWh brutto/netto Reifen: 4 x 235/50 R20 100H auf 20“-Alus |
| Sicherheit | Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/LKA/ACC/RCTA/TPMS Airbags: 7 |



