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NIO firefly select im Test: Kompaktes Raumwunder mit Premium‑Ambitionen

NIO firefly select

Mit dem firefly steigt der chinesische Hersteller NIO erstmals in das hart umkämpfte Segment der elektrischen Klein- und Kompaktwagen ein. Der Fünftürer soll bewusst mehr sein als ein reines Stadtauto: ein vollwertiger Erstwagen für Alltag und Pendelstrecke. In Österreich wird er in zwei Varianten angeboten – als gut ausgestatteter select und als nochmals aufgewerteter comfort. Schon die Basisversion zeigt dabei, wohin die Reise geht: weg vom klassischen „Einstiegsmodell“, hin zu einem überraschend umfangreich ausgestatteten Gesamtpaket.

Eigenständiges Design mit Wiedererkennungswert

Mit einer Länge von 4,00 Metern, einem Radstand von 2,62 Metern und einem Wendekreis von nur 9,4 Metern bewegt sich der fünftürige firefly klar im Kleinwagensegment – bleibt dabei aber ausgesprochen alltagstauglich und stadtfreundlich.

Innenraum: Klein außen, groß innen

Optisch setzt der firefly nicht auf Retro-Anleihen, sondern auf klare, moderne Linien. Markant sind vor allem die Trio‑Lichtsignaturen an Front und Heck, die dem Fahrzeug ein eigenständiges Gesicht verleihen. Dazu kommt eine kraftvoll gezeichnete C‑Säule und ein bewusst schlicht gehaltenes Karosseriekonzept. Im Straßenbild wirkt der firefly dadurch auffällig, ohne verspielt zu erscheinen – ein Balanceakt, der in dieser Klasse nicht selbstverständlich ist. Ein interessantes Detail: Teile der Außenhaut wie Stoßfänger und Schweller bestehen aus recycelten Materialien – ein Hinweis darauf, dass Nachhaltigkeit hier mehr als nur ein Buzzword ist.

Die größte Stärke des firefly zeigt sich im Alltag: seinem Raumangebot. Unter dem Stichwort „smart roominess“ bietet der kompakte Stromer erstaunliche Platzverhältnisse und überaus bequeme Sitze. Der Kofferraum fasst 404 Liter und wächst bei umgelegter Rückbank auf bis zu 1.253 Liter. Dazu kommt ein 92‑Liter‑Frunk unter der Fronthaube – in Summe ein Wert, den viele größere Fahrzeuge kaum erreichen.

Hinzu kommen durchdachte Details wie zusätzliche Ablagefächer unter dem Beifahrersitz und der Rückbank. Das klingt unspektakulär, erweist sich im Alltag aber als äußerst praktisch. Auch beim Zugang geht der firefly eigene Wege: Statt klassischem Autoschlüssel gibt es eine NFC‑Karte, ergänzt durch App‑ und digitalen Schlüssel – modern, aber auch gewöhnungsbedürftig.

Fahrverhalten: Leichtfüßig und ausgewogen

Angetrieben wird der firefly select von einem Heckmotor mit 105 kW (143 PS) und 200 Newtonmeter Drehmoment. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt in 8,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 km/h. Das klingt unspektakulär, passt aber zum Charakter des Autos.

Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Leistung und Gewicht: Mit rund 1,5 Tonnen bleibt der firefly relativ leicht für ein Elektroauto. In Kombination mit dem Heckantrieb ergibt sich ein angenehm neutrales und wendiges Fahrverhalten. Gerade in der Stadt und auf kurvigen Landstraßen wirkt der Wagen lebendig, ohne nervös zu sein.

Auch das Fahrwerk zeigt Ambitionen: Vorne arbeitet eine MacPherson‑Achse, hinten ein aufwendiger Fünf‑Lenker-Aufbau. Zusammen mit den deutlich abgestuften Fahrmodi Eco, Komfort und Sport ergibt sich ein ausgewogenes Setup, das Komfort und Agilität gelungen kombiniert. Detail am Rande: Dass NIO für den firefly übrigens Geländedaten aufführt, ist zwar nett aber maximal als Gag zu verstehen. Denn das Terrain des Wagens ist der urbane Raum und nicht der Feldweg.

Laden und Effizienz: bewusst pragmatisch

Beim Akku setzt NIO auf eine moderate Größe: 41,2 kWh netto. Die WLTP‑Reichweite liegt bei 320 bis 330 Kilometern, der Verbrauch bewegt sich zwischen 14,5 und 15,2 Kilowattstunden (kWh) je hundert Kilometer. Für den Alltag ist das absolut ausreichend, auch wenn es im Vergleich zu manchen Konkurrenten keine Spitzenwerte sind.

Schnellladen ist mit bis zu 100 kW (Kilowatt) möglich, der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert rund 29 Minuten – auch in der Praxis. AC‑seitig sind bis zu 11 kW möglich – allerdings nicht in jeder Konfiguration serienmäßig. Praktisch ist die Vehicle‑to‑Load‑Funktion (V2L), mit der externe Geräte versorgt werden können.

Im Innenraum dominieren digitale Anzeigen: ein fast schon überfrachtetes 6‑Zoll‑Display hinter dem Lenkrad und ein 13,2‑Zoll‑Touchscreen in der Mitte. Über den Sprachassistenten „LUMO“ lassen sich viele Funktionen steuern, die Navigation integriert automatisch Ladestopps. Updates erfolgen Over‑the‑Air. Die Menüführung ist okay, zum überwiegenden Teil logisch aufgebaut und die wesentlichen Funktionalitäten sind nach kurzer Eingewöhnungsphase leicht auffindbar.

Für diese Klasse ungewöhnlich ist das Soundsystem: Dolby Atmos mit 14 Lautsprechern sorgt für hochwertigen Klang. Auch Features wie Ambientebeleuchtung oder Sitz‑ und Lenkradheizung sind bereits in der Basis enthalten. Allerdings hat das Konzept auch seine Schattenseiten: Viele Funktionen laufen ausschließlich über den Touchscreen, was im Alltag nicht immer intuitiv ist. Zudem muss kabelloses Apple CarPlay nach dem Start erneut aktiviert werden – kleine Details, die das Nutzererlebnis etwas trüben.

Sicherheit: ein echtes Argument

Beim Thema Sicherheit setzt der firefly ein klares Zeichen. Die 5‑Sterne‑Euro‑NCAP‑Bewertung und ein Erwachsenenschutz von 96 Prozent sprechen für sich. Dazu kommt ein umfangreiches Assistenzpaket, das bereits serienmäßig enthalten ist – inklusive aktivem Parkassistenten und einem Sensor‑Setup mit 21 Einheiten.

Preis-Leistung: bewusst über dem Einstiegsniveau

Der Einstiegspreis liegt in Österreich bei 29.990 Euro. Der getestete firefly select kommt auf rund 31.000 Euro. Damit ist er kein klassischer Budget‑Stromer – bietet dafür aber eine außergewöhnlich umfangreiche Serienausstattung. Sitz- und Lenkradheizung, V2L, umfangreiche Assistenzsysteme, hochwertiges Soundsystem und OTA‑Updates sind bereits enthalten. Dinge, die bei vielen Wettbewerbern erst gegen Aufpreis verfügbar sind.

Fazit: Der NIO firefly select ist kein reiner Kleinwagen – sondern ein durchdachter Alltagsbegleiter mit überraschend viel Raum, moderner Technik und eigenständigem Charakter. Wer ein kompaktes Elektroauto mit gehobenem Anspruch sucht, bekommt hier ein stimmiges Gesamtpaket. Nicht alles ist perfekt, insbesondere die Bedienlogik hat noch Luft nach oben. Doch insgesamt zeigt der firefly, wie erwachsen Elektromobilität in der Kompaktklasse mittlerweile geworden ist.

NIOfirefly select
Preisab € 31.020,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 31.020,-
Garantie: 2 Jahre ohne km-Begrenzung, danach weitere 3 Jahre bis max. 100.000 km, 12 Jahre gegen Durchrostung
Service: alle 30.000 km oder alle 2 Jahre
Technische DatenMotor: permanenterregter Synchronmotor, 105 kW/143 PS Spitzenleistung, max. Drehmoment 200 Nm
Getriebe: Eingangautomatik
Antrieb: Heckantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,1 s
WLTP-Verbrauch: 14,5 kWh
Testverbrauch: 14,5 kWh
EckdatenL/B/H: 4.003/1.885/1.557 mm
Radstand: 2.615 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1.467/1.858 kg
Kofferraum: 404-1.253 Liter
Frunk: 92 Liter
Akku: 41,2 kWh (netto)
Reifen: 4 x 215/50 R18/92T auf 18“-Alus
SicherheitRegelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/LKA/ACC/RCTA/TPMS
Airbags: 6
GeländedatenBodenfreiheit: 170 mm
Böschungswinkel vorne/hinten: 19,2°/23,1°
Rampenwinkel: 3,7°
Wattiefe: 350 mm