Immer wieder wenden sich Neuwagenbesitzer an den ÖAMTC, weil sie einen intensiven Geruch im Innenraum des Fahrzeugs wahrnehmen. Die Sorge dahinter: Könnten die eingeatmeten Stoffe gesundheitsschädlich sein? Eine aktuelle Untersuchung des ADAC in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik liefert dazu nun konkrete Antworten.
Schadstoffmessungen im Praxistest
Untersucht wurden exemplarisch vier aktuelle Modelle – VW Golf, Hyundai Kona, Dacia Spring und BYD Seal 6. Im Fokus standen typische Innenraumemissionen wie flüchtige organische Verbindungen, Formaldehyd sowie aromatische Kohlenwasserstoffe. Das Ergebnis fällt beruhigend aus: In keinem der getesteten Fahrzeuge wurden gesundheitlich bedenkliche Werte festgestellt.
Zwar sind die Ausdünstungen von Materialien und Klebstoffen direkt nach der Auslieferung messbar erhöht, doch dieser Effekt nimmt rasch ab. Bereits nach rund sechs Monaten zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Beim getesteten VW Golf sanken die Gesamtemissionen um etwa 80 Prozent. Regelmäßiges Lüften beschleunigt diesen Prozess zusätzlich.
Strengere EU-Vorgaben kommen ab August 2027
Mit Blick auf die Zukunft werden die Anforderungen weiter verschärft. Ab August 2027 gilt EU-weit ein verbindlicher Grenzwert für Formaldehyd im Fahrzeuginnenraum von 0,062 mg/m³. Die gute Nachricht: Alle getesteten Modelle erfüllen diesen Wert bereits heute. Unter extremen Bedingungen – etwa bei starker Sonneneinstrahlung – können die Emissionen jedoch kurzfristig ansteigen. In solchen Szenarien überschritten einige Fahrzeuge Vorsorgewerte, weshalb Automobilclubs strengere Maßnahmen bereits ab Werk fordern.
Alter und Nutzung spielen große Rolle
Ein entscheidender Faktor für die Belastung der Innenraumluft ist das Alter des Fahrzeugs. Autos, die schon einige Zeit beim Händler standen, weisen deutlich geringere Emissionen auf als frisch produzierte Modelle. Das Herstellungsdatum lässt sich im sogenannten COC-Dokument exakt nachvollziehen.
Einfache Tipps für den Alltag
Autofahrer können selbst viel zur Verbesserung der Luftqualität beitragen. Gerade bei neuen Fahrzeugen empfiehlt es sich, vor der Fahrt kurz durchzulüften und anfangs auf Umluftbetrieb zu verzichten. Besonders empfindliche Gruppen wie Babys, Kleinkinder oder Schwangere sollten zusätzlich darauf achten, das Fahrzeug nicht in der prallen Sonne stehen zu lassen oder vor dem Einsteigen gründlich zu lüften. Unterm Strich zeigt die Studie: Der typische „Neuwagengeruch“ ist in der Regel kein Gesundheitsrisiko – mit einfachen Maßnahmen lässt sich die Luftqualität zusätzlich verbessern.



