Die chinesische Automarke Leapmotor hat seit ihrem Einstieg in den österreichischen Markt Anfang 2025 eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Unterstützt durch das Vertriebsnetz des Stellantis-Konzerns startete die Marke mit dem Ziel, leistbare Elektromobilität für eine breite Kundengruppe zugänglich zu machen. Bereits im Herbst 2024 wurden die ersten Fahrzeuge für Österreich präsentiert, ehe mit Jahresbeginn 2025 der offizielle Marktstart erfolgte. Zum Verkaufsstart setzte Leapmotor auf zwei Modelle: den kompakten Elektro-Kleinwagen T03 und das elektrische SUV C10. Später ergänzte die Marke das Angebot um den C10 REEV mit Range-Extender-Technologie, der elektrische Mobilität mit zusätzlicher Reichweitenreserve verbindet.
Leapmotor konnte rasch Erfolge verbuchen
Auch bei den Verkaufszahlen konnte Leapmotor rasch Erfolge verbuchen. Im ersten Halbjahr 2025 wurden in Österreich 191 Fahrzeuge neu zugelassen. Gleichzeitig baute die Marke ihr Händler- und Servicenetz auf 29 Standorte aus und schuf damit eine flächendeckende Präsenz im gesamten Bundesgebiet. Der Wachstumskurs setzte sich 2026 fort. Bereits Ende Mai wurden 882 Fahrzeuge neu zugelassen, womit das Ergebnis des gesamten Jahres 2025 schon nach fünf Monaten übertroffen wurde. Im Mai 2026 erreichte Leapmotor erstmals einen Marktanteil von 1,1 Prozent am österreichischen Gesamtmarkt. Als wichtiger Wachstumstreiber erwies sich die laufende Modelloffensive mit dem neuen B10, der im volumenstarken C-Segment positioniert ist. Zudem lancierte die Marke mit dem B05 einen weiteren Hoffnungsträger. Country Manager Christian Bley kündigt im Interview darüber hinaus weitere Neuheiten an.
Leapmotor steht bei mehr als einem Prozent Marktanteil. Was waren die Erfolgsfaktoren?
CHRISTIAN BLEY: „Wir sind mit der Entwicklung der Marke sehr zufrieden. Im Juli haben wir wiederum mehr als ein Prozent Marktanteil erreicht. Die Marke wird immer besser angenommen. Und die Technik und die Händler sind dabei ausschlaggebend. Der Preis und die Technik bilden die Grundlage und die Händler tragen die Marke.
Leapmotor: Rund 40 Standorte in Österreich
Wie viele Standorte hat Leapmotor aktuell in Österreich?
CHRISTIAN BLEY: „Sales-Mandate haben wir 33 und wir haben weitere Standorte mit Servicevertrag. In Summe sprechen wir von rund 40 Leapmotor-Standorten.“
Da hilft auch das Joint-Venture mit Stellantis.
CHRISTIAN BLEY: „Natürlich. Weil eine Marke zu etablieren ist ja ein riesiger Aufwand. Dass Leapmotor die Strukturen – etwa in Hinblick auf Logistik und Backoffice – nutzen kann, hilft uns ungemein.“
Und wollen Sie ihr Händlernetzwerk weiter ausbauen?
CHRISTIAN BLEY: „Wir schauen uns schon um und bekommen auch etliche Bewerbungen. Aber wir prüfen das genau und werden dort noch erweitern, wo es Sinn ergibt. Bis Jahresende werden wir aber definitiv noch ein paar weitere Standorte dazubekommen.“
Und verkaufen Sie hauptsächlich an Business- oder an Privatkunden?
CHRISTIAN BLEY: „Wir sind vor allem bei den Privatkunden sehr gut aufgestellt. 80 Prozent der Verkäufe machen wir im B2C-Bereich. Das ist dem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis geschuldet. Und erstaunlich ist, dass wir auch an viele jüngere Menschen, also etwa Mitt-30er, verkaufen.“
Kaum Vorbehalte gegenüber chinesischen Marken
Die Vorbehalte gegenüber einer chinesischen Automarke können Sie also nicht nachvollziehen?
CHRISTIAN BLEY: „Nein, zumindest nicht, wenn ich auf unsere Käuferinnen und Käufer schaue. Da hilft uns aber auch als Elektromarke sicherlich auch die allgemeine positive Stimmung in Hinblick auf E-Mobilität.“
Und das Firmenkundengeschäft ist für Sie nicht relevant?
CHRISTIAN BLEY: „Doch, natürlich schon. Aber im B2B-Bereich ist der Hochlauf traditionell immer etwas langsamer, weil es ja auch darum geht, dass man von den großen Unternehmen als Anbieter gelistet wird. Wir haben ja schon Firmenkunden und auch da werden wir zulegen, bin ich mir sicher.“
Welches der fünf Leapmotor-Modelle ist der Quotenbringer?
CHRISTIAN BLEY: „Am besten verkaufen sich B10 und C10.“
B10 und C10 gibt es auch mit Range-Extender-Technologie. Wie viel machen die bei den Verkäufen aus?
CHRISTIAN BLEY: „90 Prozent sind reine Elektroautos, zehn Prozent haben die Range-Extender-Technologie. Da hätte ich mit einem etwas höheren Anteil gerechnet.“
Federführend bei Produktionsprozessen
Was zeichnet Leapmotor aus?
CHRISTIAN BLEY: „Den Unternehmensgründern Zhu Jiangming und Fu Liquan war im Jahr 2015 auch eine möglichst automatisierte Produktion wichtig. Da ist Leapmotor sehr weit, was sich in Bezug auf die Produktionsprozesse, Adaptionen und dergleichen sehr positiv auswirkt. Und es ist simpel aufgebaut. Zwei Varianten eines Modells, wenige Außenfarben. Viel Ausstattung bereits in der Grundausstattung. Das alles hilft, um auch flexibel auf Änderungen reagieren zu können. Leapmotor ist ja in Wahrheit ein Technologie-Start-up. Daher spielen auch KI, Software und Autonomes Fahren eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der Fahrzeuge. Die Folge: Unsere Fahrzeuge sind technisch sehr weit, könnten etwa autonom fahren. Das machen sie in China übrigens auch schon. Hier in Europa fehlen dafür noch die rechtlichen Bedingungen, aber technisch möglich ist es mit unseren Fahrzeugen schon. Das ist sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal von Leapmotor.“
Was erwarten Sie sich von B05 und B03X?
CHRISTIAN BLEY: „Der B05 wird sehr schnell seinen Weg machen, weil er in einem Segment positioniert ist, in dem es per se noch nicht so viele Modelle gibt. Und mit 26.490 Euro haben wir auch einen sehr kompetitiven Ab-Preis. Wir werden auch neben dem B03X den B03 im ersten Quartal 2027 ins Angebot mit aufnehmen.“
Was ist ein realistischer Marktanteil zum Jahresende 2026?
CHRISTIAN BLEY: „Ich denke, ein Prozent Marktanteil ist auch übers Jahr gesehen möglich.“
Marktbereinigung wird mittelfristig kommen
Welchen anderen Marken nehmen Sie Marktanteile weg?
CHRISTIAN BLEY: „Von vielen. Von US-Herstellern genauso wie von deutschen Marken.“
Stichwort, die anderen chinesischen Hersteller. Da drängen viele auf den Markt. Wird das auf lange Sicht gut gehen?
CHRISTIAN BLEY: „Es wird hier sicherlich mittelfristig zu einer Marktbereinigung kommen. Leapmotor ist eine junge Marke. Das hat Vor- und Nachteile. Es gibt zwar keine große Historie, aber damit auch keine negativ konnotierten Erinnerungen bei den Menschen.“
Wie gut ist Ihrer Meinung nach das Ladenetz in Österreich ausgebaut?
CHRISTIAN BLEY: „Das ist in Österreich meiner Ansicht nach schon flächendeckend gut ausgebaut. Und mit den meisten E-Autos – egal welcher Marke – kommt man gut 400 Kilometer weit. Die Reichweitenangst ist meiner Ansicht nach definitiv unbegründet.“
Fotos: Leapmotor
| ZUR PERSON: Christian Bley ist Automobilmanager mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Service, After Sales, Marketing und Markenführung. Nach Führungspositionen bei Autohäusern in Deutschland wechselte er zu FCA Fiat Chrysler Automobiles, wo er unter anderem als Trainer, After-Sales-Manager sowie Marketingverantwortlicher tätig war. Seit 2018 bekleidete er leitende Funktionen im After-Sales-Geschäft von FCA beziehungsweise Stellantis. Seit 2024 verantwortet er als Managing Director die Marken Fiat und Leapmotor in Österreich. |




