Mit dem Transit prägt Ford den europäischen Nutzfahrzeugmarkt seit mittlerweile mehr als einem halben Jahrhundert. Seit der Einführung der ersten Generation im Jahr 1965 entwickelte sich der Transporter zu einem der erfolgreichsten Nutzfahrzeuge Europas. Der Transit Custom wurde 2012 als eigenständige Baureihe zwischen dem großen Transit und den kleineren Nutzfahrzeugen der Marke positioniert. Die aktuelle Generation markiert einen weiteren Meilenstein, denn erstmals wurde das Modell konsequent für unterschiedliche Antriebsformen – Diesel, Plug-in-Hybrid und Elektroantrieb – entwickelt. Der hier getestete Ford E-Transit Custom Trend BEV 340 L2 steht dabei für den elektrischen Aufbruch des traditionsreichen Arbeitstiers.
Leistung: 160 kW beziehungsweise 218 PS
Die Testversion tritt als langer Radstand L2 mit einem 160 kW beziehungsweise 218 PS starken Elektromotor an. Die Energie liefert eine Batterie mit 64 kWh nutzbarer Kapazität, die laut Ford intern als 70-kWh-Batterie geführt wird. Der Antrieb erfolgt über die Hinterräder, was bei einem Transporter auch im elektrischen Zeitalter zahlreiche Vorteile bietet. Das getestete Fahrzeug brachte inklusive Sonderausstattung einen Listenpreis von 66.516 Euro auf die Rechnung. Zu den Extras zählten unter anderem das Technologie-Paket 6, ein Laderaumschutzpaket, Ganzjahresreifen, beheizbares Lenkrad, induktive Smartphone-Ladeschale sowie ein integrierbarer Dachgepäckträger.
Ford E-Transit optisch nun deutlich moderner
Optisch wirkt der E-Transit Custom deutlich moderner als sein Vorgänger. Die Front präsentiert sich flacher und dynamischer, während die kurze Motorhaube und die weit nach vorne gerückte Fahrerkabine für einen fast vanartigen Eindruck sorgen. Die Modellpflege beschränkt sich nicht auf kosmetische Details, sondern verbessert gleichzeitig die Aerodynamik. Charakteristisch für die Elektroversion sind die spezifischen Designelemente im Frontbereich sowie die moderne Lichtsignatur mit serienmäßigen LED-Scheinwerfern. Gerade in der Ausstattungslinie Trend wirkt der Ford sachlich, aber keineswegs nüchtern. Die klaren Linien und die ausgewogenen Proportionen verleihen ihm einen professionellen Auftritt, der auf Baustellen ebenso passend wirkt wie vor einem Hotel oder Firmengebäude.
Cockpit sehr nahe an Pkw-Cockpits
Im Innenraum zeigt sich, wie stark sich moderne Transporter mittlerweile Pkw-Modellen angenähert haben. Das Herzstück bildet der große 13-Zoll-Touchscreen mit dem aktuellen Ford-SYNC-4-System. Bereits serienmäßig an Bord sind Smartphone-Integration, umfangreiche Konnektivitätsfunktionen und ein Fahrzeugmodem mit WLAN-Hotspot. Die Bedienung gelingt überwiegend intuitiv, die Menüs reagieren flott und die Darstellung wirkt zeitgemäß. Positiv fällt auf, dass Ford trotz Digitalisierung wichtige Funktionen weiterhin rasch erreichbar gemacht hat. Die Sitzposition ist hoch und übersichtlich, die Rundumsicht überzeugt insbesondere nach vorne. Dank der im Testwagen verbauten Rückfahrkamera und der Parksensoren vorne und hinten bleibt auch das Rangieren in engen Innenstädten stressfrei.
Zahlreiche Ablagen, robuste Materialien
Besonders gelungen ist die Alltagstauglichkeit des Cockpits. Zahlreiche Ablagen, robuste Materialien und praktische Detaillösungen zeigen, dass hier Menschen am Werk waren, die die Anforderungen von Handwerkern und Fuhrparkbetreibern kennen. Die beheizbare Windschutzscheibe und das beheizbare Lenkrad des Testwagens erweisen sich gerade im Winter als echte Komfortgewinner.
Richtig spannend wird es auf der Straße. Der E-Transit Custom gehört zu den fahrdynamisch interessantesten Transportern seiner Klasse. Der 218-PS-Elektromotor liefert sein maximales Drehmoment von 630 Newtonmetern aus dem Stand und sorgt für einen überraschend kräftigen Antritt. Selbst voll beladen dürfte es dem Ford kaum an Durchzugskraft fehlen. Während viele klassische Transporter bei höheren Geschwindigkeiten eher behäbig wirken, fährt sich der elektrische Transit bemerkenswert leichtfüßig.
Deutlich tieferer Schwerpunkt als bei der Dieselversion
Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Position der Batterie im Fahrzeugboden. Der Schwerpunkt sitzt deutlich tiefer als bei einem Dieselmodell, wodurch Wankbewegungen spürbar reduziert werden. Gerade auf kurvigen Landstraßen überrascht der Ford mit einer für diese Fahrzeugklasse außergewöhnlich präzisen Straßenlage. Die Lenkung arbeitet ausreichend direkt und vermittelt für einen Transporter ein gutes Gefühl für die Fahrbahn. Gleichzeitig bleibt der Federungskomfort hoch. Selbst auf schlechten Straßen oder über Querrillen filtert das Fahrwerk Unebenheiten wirkungsvoll heraus.
Hinzu kommt die nahezu vollständige Geräuschlosigkeit des Elektroantriebs. Im Stadtverkehr und auf Landstraßen entsteht ein entspanntes Fahrerlebnis, das man bei klassischen Nutzfahrzeugen kaum kennt. Lange Arbeitstage hinter dem Lenkrad werden dadurch deutlich angenehmer. Für Kurierdienste, Servicetechniker oder kommunale Betriebe stellt das einen echten Mehrwert dar.
Verbrauch und Ladeleistung: gut bis sehr gut
Beim Energieverbrauch nennt der US-Autokonzern für die getestete Version einen WLTP-Wert von 23,7 bis 23,5 kWh pro 100 Kilometer. In der Praxis hängt der tatsächliche Verbrauch naturgemäß von Beladung, Außentemperatur und Fahrprofil ab. Aber mit 22, 23, 24 kWh Verbrauch ist man grundsätzlich dabei; wenn man nicht permanent die 150 km/h Spitze ausreizen will. Realistisch sind daher Reichweiten zwischen etwa 260 und 330 Kilometern, was für viele gewerbliche Einsatzprofile völlig ausreichend sein sollte. Der kombinierte CO₂-Ausstoß liegt naturgemäß bei null Gramm pro Kilometer.
Beim Laden zeigt sich der E-Transit Custom ebenfalls zeitgemäß. Wechselstromladen über eine Wallbox eignet sich für das nächtliche Laden im Betrieb oder zu Hause. An Schnellladesäulen kann die Batterie deutlich schneller nachgeladen werden, wodurch sich auch längere Arbeitstage mit mehreren Einsätzen gut bewältigen lassen. Für Flottenbetreiber interessant ist zudem die umfassende Einbindung in die Ford-Pro-Dienste, die Lade-, Wartungs- und Fuhrparkmanagementfunktionen bündeln.
Großzügiges Volumen bei L2-Version
Beim Platzangebot erfüllt der Ford die hohen Erwartungen an einen modernen Transporter. Die L2-Version bietet großzügige Ladeabmessungen und ausreichend Raum für Material, Werkzeuge oder Lieferwaren. Die maximale Nutzlast liegt beim 340 L2 BEV mit Hinterradantrieb bei rund einer Tonne. Das ist zwar weniger als bei manchen Dieselvarianten, bewegt sich jedoch auf einem wettbewerbsfähigen Niveau innerhalb der Elektroklasse.
Auch die Ladepraxis überzeugt. Die große seitliche Schiebetür und die weit öffnenden Heckflügeltüren erleichtern den Zugang erheblich. Das optionale Laderaumschutz-Paket des Testwagens erhöht zusätzlich die Alltagstauglichkeit und schützt die Karosserie vor Beschädigungen.
Der Ford E-Transit im Wettbewerbsumfeld
Im Wettbewerbsumfeld trifft der 5,45 Meter lange Ford auf starke Konkurrenz. Zu den wichtigsten Rivalen zählen der Volkswagen ID. Buzz Cargo, Mercedes-Benz eVito, Opel Vivaro Electric, Peugeot E-Expert, Citroën ë-Jumpy und Toyota Proace Electric. Der VW punktet mit seinem Lifestyle-Charakter, der Mercedes mit Markenprestige und der Stellantis-Konzern mit einer breiten Modellpalette. Der Ford kontert jedoch mit einem ausgesprochen modernen Cockpit, hervorragenden Fahreigenschaften, einer durchdachten Gewerbeorientierung und einem attraktiven Gesamtpaket.
Fazit: Unterm Strich liefert der Ford E-Transit Custom Trend BEV 340 L2 genau das, was sich viele Betriebe von einem modernen Elektrotransporter wünschen: viel Nutzwert, hohe Alltagstauglichkeit und ein Fahrverhalten, das näher an einem Pkw liegt als an einem klassischen Kastenwagen. Er zeigt eindrucksvoll, dass Elektromobilität im Nutzfahrzeugbereich längst keine Zukunftsmusik mehr ist, sondern bereits heute eine überzeugende Alternative darstellen kann. Für Unternehmen mit planbaren Tagesetappen gehört der E-Transit Custom aktuell zu den interessantesten Angeboten seiner Klasse. Und hier geht es zum Test über den Ford E-Tourneo Custom.



















| Ford | E-Transit Custom Trend BEV 340 L2 |
| Preis | ab € 62.040,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 66.516,- unter anderem inklusive Lenkradheizung, Technologie-Paket 5, Sitz-Paket 6, Dachkonsole mit Ablagefach und Ladraumschutz-Paket Garantie: 2 Jahre ohne km-Begrenzung, danach weitere 3 Jahre bis max. 100.000 km, 12 Jahre gegen Durchrostung Service: alle 30.000 km oder alle 2 Jahre |
| Technische Daten | Motor: permanenterregter Synchronmotor, 160 kW/218 PS Maximalleistung, 85 kW/115 PS Nenndauerleistung, max. Drehmoment 630 Nm Getriebe: Eingangautomatik Antrieb: Heckantrieb Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h WLTP-Verbrauch: 23,7 kWh Testverbrauch: 23,5 kWh |
| Eckdaten | L/B/H: 5.450/2.032/2.031 mm Radstand: 3.500 mm Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 2.269/3.350 kg Anhängelast gebr./ungebr.: 2.300/750 kg Ladevolumen: 6,8 Kubikmeter Ladelänge: 3.002 mm Akku: 70 kWh (netto) Reifen: 4 x 215/65 R16 109T auf 16“-Alus |
| Sicherheit | Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/LKA/ACC/RCTA/TPMS Airbags: 4 |
| Geländedaten | Bodenfreiheit: 140 mm Böschungswinkel vorne/hinten: 17,2°/16,4° |



