Zum Hauptinhalt springen

autoinfos.at

Fahrbericht Kia PV5 Passenger Earth Plus: Wie gut ist der neue Elektro-Bus für Österreich?

Kia PV5 Earth Plus

Mit dem PV5 schlägt Kia ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte auf. Der koreanische Hersteller, der 1944 ursprünglich als Produzent von Fahrradteilen gegründet wurde, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem globalen Automobilkonzern entwickelt. Nach dem Erfolg von Elektroautos wie EV6 und EV9 wagt Kia nun den Einstieg in die neue PBV-Familie (Platform Beyond Vehicle). Der PV5 ist dabei das erste Großserienmodell dieser Plattform und wurde von Beginn an als vielseitiges Elektrofahrzeug für Familien, Gewerbe und Shuttle-Dienste konzipiert. Anders als klassische Vans soll er maximale Raumausnutzung mit einem vollelektrischen Antrieb verbinden.

Für Österreich ist der Kia PV5 Passenger in mehreren Varianten erhältlich. Das hier betrachtete Modell Earth Plus Long Range kombiniert die größere 71,2-kWh-Batterie mit einem 120 kW (163 PS) starken Elektromotor und einer WLTP-Reichweite von bis zu 412 Kilometern.

Wie wirkt der Kia PV5 von außen?

Schon auf den ersten Blick wird klar, dass Kia beim PV5 nicht primär auf Emotionen setzt. Die Form folgt konsequent der Funktion. Die fast senkrechte Frontpartie, die hohe Dachlinie und die nahezu vertikal abfallende Heckpartie maximieren das Raumangebot. Gleichzeitig sorgen die charakteristischen LED-Leuchten und die markanten schwarzen Karosserieelemente dafür, dass der PV5 trotz seiner Kastenform modern wirkt.

Mit 4,70 Metern Länge, knapp 1,90 Metern Breite und fast 1,92 Metern Höhe bewegt sich das Fahrzeug größenmäßig im Bereich klassischer Kompakttransporter. Die großen Fensterflächen verbessern die Übersichtlichkeit und vermitteln einen luftigen Eindruck. Eine Schwäche der funktionalen Karosserie ist allerdings ihre Aerodynamik. Das kantige Design optimiert den Innenraum, erhöht aber naturgemäß den Luftwiderstand gegenüber flacheren Elektro-PKW. Dies kann sich insbesondere auf der Autobahn auf den Energieverbrauch auswirken.

Wie präsentiert sich der Innenraum des Kia PV5?

Der Innenraum zählt eindeutig zu den größten Stärken des PV5. Bereits in der fünfsitzigen Version steht außergewöhnlich viel Platz zur Verfügung. Hinter der zweiten Sitzreihe bietet der Kia ein Ladevolumen von rund 1.330 Litern. Werden die Rücksitze umgelegt, wächst das Fassungsvermögen sogar auf bis zu 3.615 Liter an. Für ein 4,70-Meter-Fahrzeug sind das stattliche Werte. Und: Wie auch generell ist die Verarbeitung des Gepäckabteils auf hohem Niveau.

Die Sitzposition fällt angenehm hoch aus und erinnert eher an einen Kleinbus als an einen klassischen PKW. Dadurch ergibt sich ein guter Überblick über das Verkehrsgeschehen. Vorne wie hinten profitieren die Insassen von reichlich Kopf- und Beinfreiheit. Auch große Erwachsene finden in der zweiten Reihe problemlos Platz.

Die Materialauswahl orientiert sich am Einsatzzweck. Hochwertiger Luxus steht nicht im Vordergrund. Stattdessen dominieren robuste und pflegeleichte Oberflächen. Das wirkt weniger edel als in manchen PKW-Modellen von Kia, erscheint aber für Familien und gewerbliche Nutzer durchaus sinnvoll.

Wie umfangreich ist die Ausstattung der Earth-Plus-Version?

Die österreichische Ausstattungslinie Earth Plus positioniert sich nahe an der Spitze des Angebots. Bereits die darunterliegende Earth-Version bringt unter anderem eine Wärmepumpe, Batterie-Vorkonditionierung, 11-kW-AC-Laden, Vehicle-to-Load-Funktion (V2X), Sitz- und Lenkradheizung sowie eine induktive Smartphone-Ladeschale mit.

Die Earth-Plus-Ausführung ergänzt unter anderem einen 360-Grad-Kameramonitor, Totwinkelkameras, elektrische Sitze, eine elektrisch verstellbare Lendenwirbelstütze, anklappbare Außenspiegel sowie zusätzliche Parkassistenten. Damit bewegt sich die Ausstattung auf einem Niveau, das in dieser Fahrzeugklasse keineswegs selbstverständlich ist.

Positiv fällt außerdem auf, dass viele Komfort- und Assistenzsysteme bereits serienmäßig enthalten sind und nicht erst über umfangreiche Optionspakete hinzugekauft werden müssen.

Was bietet das Infotainment des Kia PV5?

Im Mittelpunkt steht der 12,9 Zoll große Touchscreen, auf dem klarerweise auch das Navigationssystem läuft. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos. Ergänzt wird das System durch Kia Connect, Over-the-Air-Updates sowie ein digitales 7,5-Zoll-Fahrerdisplay. Im Alltag zeigt sich das System modern und zeitgemäß. Die Menüführung orientiert sich an aktuellen Kia-Modellen und bietet zahlreiche Vernetzungsfunktionen. Positiv ist auch die Möglichkeit, Softwareupdates kabellos einzuspielen.

Weniger gelungen erscheint, dass viele Funktionen über diese Touchscreens gesteuert werden. Wer regelmäßig zwischen Navigation, Klimaeinstellungen und Fahrzeugfunktionen wechselt, benötigt eine gewisse Eingewöhnungszeit.

Wie gut beschleunigt der PV5?

Die Long-Range-Version steht auf 16er-Alus und erreicht 100 km/h in 10,6 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h. Die 250 Newtonmeter Drehmoment stehen sofort zur Verfügung, wodurch der PV5 im Stadtverkehr und beim Anfahren ausreichend souverän wirkt. Sportliche Ambitionen verfolgt er jedoch nicht.

Wie arbeitet die Lenkung?

Die elektrische Servolenkung ist leichtgängig und passt gut zum Einsatzzweck. Das Fahrzeug lässt sich trotz seiner Größe überraschend unkompliziert manövrieren. Der Wendekreis fällt für diese Fahrzeugklasse vergleichsweise günstig aus.

Wie verhält sich das Fahrwerk?

Vorne verwendet der südkoreanische Hersteller eine Doppelquerlenkerachse, hinten eine Torsionslenkerachse. Im Alltag ergibt sich daraus ein solides und stabiles Fahrverhalten. Gleichzeitig fährt sich der der PV5 eher wie ein Transporter als wie ein klassischer PKW. Insbesondere unbeladen können Unebenheiten und Schlaglöcher spürbar in den Innenraum weitergegeben werden. Das ist auch die größte fahrdynamische Schwäche des Fahrwerks.

Wie sieht es mit Laden und Reichweite aus?

Die Long-Range-Version verfügt über eine 71,2-kWh-Batterie und erreicht laut WLTP bis zu 412 Kilometer Reichweite, verrät die Preisliste. Da der Realverbrauch ziemlich nah an den WLTP-Wert (19,1 kWh) herankommt, kratzt der PV5 auch in der Praxis an der 400-Kilometermarke.

An einer 11-kW-Wallbox dauert der Ladevorgang von 10 auf 100 Prozent rund sechseinhalb Stunden. An Schnellladesäulen sind laut Kia Ladezeiten von etwa 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent möglich. Batterie-Vorkonditionierung und Wärmepumpe helfen dabei, auch bei kühleren Temperaturen eine möglichst stabile Ladeleistung zu erzielen. Was sich daraus ergibt? Auch in der Praxis hält sich die Dauer der Ladestopps in Grenzen.

Gegen welche Konkurrenten tritt der PV5 an?

Zu den wichtigsten Mitbewerbern zählen der Volkswagen ID. Buzz, der Mercedes-Benz EQV, der Peugeot E-Traveller, der Citroën ë-SpaceTourer und der Opel Zafira Electric. Die größte Stärke des Kia liegt im Verhältnis von Preis, Platzangebot und Ausstattung. Gegenüber dem deutlich teureren ID. Buzz bietet er mehr Nutzraum und einen günstigeren Einstiegspreis. Dafür kann der Volkswagen beim Fahrkomfort und bei der emotionaleren Gestaltung punkten.

Wie sicher ist der Kia PV5?

Bereits die Basisausstattung des Vans umfasst zahlreiche Assistenzsysteme wie Autobahnassistent, Spurfolgeassistent, aktiven Spurhalteassistenten, adaptiven Tempomaten mit Stop-and-Go-Funktion, Frontkollisionswarner, Verkehrszeichenerkennung und mehrere Airbags einschließlich Center-Airbag zwischen Fahrer und Beifahrer.

In der Earth-Plus-Version kommen zusätzlich Totwinkelkameras, aktive Totwinkelassistenten, Querverkehrswarner und weitere Parkassistenten hinzu. Damit bietet der PV5 ein zeitgemäßes Sicherheitsniveau und eine umfangreiche elektronische Unterstützung im Alltag.

Wie lautet das Fazit über den Kia PV5?

Fazit: Der Kia PV5 Passenger Earth Plus Long Range verfolgt einen ganz anderen Ansatz als viele moderne Elektroautos. Statt Lifestyle und Design stehen Nutzwert, Raumangebot und Funktionalität im Mittelpunkt. Genau darin liegen seine größten Stärken. Das enorme Platzangebot, die umfangreiche Ausstattung, die lange Garantie und der vergleichsweise attraktive Preis machen ihn für Familien, Vereine und Shuttle-Dienste interessant. Zu den Schwächen zählen das eher nüchterne Ambiente, der teilweise transportertypische Fahrkomfort und die lediglich durchschnittliche Langstreckenreichweite. Wer jedoch ein möglichst praktisches Elektrofahrzeug mit viel Platz sucht, findet im Kia PV5 Passenger derzeit eines der interessantesten Angebote auf dem österreichischen Markt. Und zum Test über den Kia EV4 GT-Line geht es hier.

KiaPV5 Passenger Earth Plus
Preisab € 40.390,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 41.190,-
Garantie: 7 Jahre bis max. 150.000 km, 5 Jahre bis max. 150.000 km Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung, 7 Jahre bis max. 150.000 km auf die Antriebsbatterie, 2 Jahre ohne km-Begrenzung auf die Fahrzeugbatterie
Service: alle 30.000 km oder alle 2 Jahre
Technische DatenMotor: permanenterregter Synchronmotor 120 kW/163 PS Spitzenleistung, 40 kW/54 PS Nenndauerleistung, max. Drehmoment 250 Nm bei 0-4.400 U/min.
Getriebe: Eingangautomatik
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,6 s
WLTP-Verbrauch: 19,1 kWh
Testverbrauch: 19,1 kWh
EckdatenL/B/H: 4.695/1.895/1.923 mm
Radstand: 2.995 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 2.096/2.600 kg
Anhängelast gebr./ungebr.: 1.500/750 kg
Kofferraum: 1.330-3.615 Liter
Akku: 71,2 kWh (netto)
Reifen: 4 x 215/65 R16 102T auf 16“-Alus
SicherheitRegelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/LKA/ACC/RCTA/TPMS/HDA
Airbags: 8